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L E S E P R O B E Stehaufmännchen - Viermal zurück ins Leben
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INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort
Einleitung
Der Rettungsanker - Teil 1
Das Unvorstellbare
Die Chemo-Hölle
Fünfjahresheilung
Die Isolations-Folter
Zehn gute Jahre
Der Rettungsanker - Teil 2
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Mit fortwährend steigender Tendenz breiten sich Hodentumoren seit etwa vierzig Jahren in fast allen westlichen Industrieländern aus. Trotz verschiedener Vermutungen sind die Ursachen für die wachsenden Erkrankungszahlen kaum erklärbar, zumal nicht alle Länder von dem Anstieg betroffen sind. So bleiben die Entwicklungsländer von der Zunahme bei dieser Krebsart verschont.
In Deutschland werden jedes Jahr annähernd 3000 neue Hodenkrebsfälle registriert. Die bösartigen Geschwülste treten überwiegend bei jungen Männern auf. Hodenkrebs ist bei ihnen die häufigste Krebserkrankung, während er weniger als zwei Prozent aller Krebsarten des Mannes ausmacht.
Bis in die siebziger Jahre hinein standen für die betroffenen Patienten die Chancen auf Heilung eher schlecht. Hodenkrebs war ein brutaler Killer. Nur ein geringer Prozentsatz konnte durch eine frühzeitige Operation gerettet werden. Dabei entfernten die Chirurgen den, oder in seltenen Fällen beide, vom Tumor befallenen Hoden. In den meisten anderen Fällen führten die vom Primärtumor abgesiedelten Tochtergeschwülste nach kurzer Zeit zum Tod. Noch 1970 starben 90 Prozent aller Patienten mit Metastasen.
Mitte der siebziger Jahre entdeckten die Mediziner wirksame Chemotherapien mit dem Zellgift Platin. Seitdem haben Hodenkrebsopfer, bei rechtzeitiger Diagnose und optimaler Therapie, eine über 90-prozentige Überlebenschance.
Doch der (Leidens)-Weg bis zur Heilung kann lange, wechselhaft und voller Rückschläge sein.

Emotionale Achterbahn und psychischer Ausnahmezustand
Dienstag, 1. Mai 2001
Noch ahne ich nichts von dem, was mir in Kürze bevorstehen wird. Meine Frau Gabriele und ich sind gerade aus Brasilien zurückgekehrt. Wir verbrachten dort dreieinhalb erlebnisreiche, wundervolle Wochen. Gabriele hat Verwandte in São Paulo und Curitiba. Ihr Großonkel war um 1930 als Zimmermann in einer christlichen Mission in Brasilien hängen geblieben. Seine Spuren verloren sich. Erst in den neunziger Jahren führte eine Annonce in einer deutschsprachigen brasilianischen Zeitung zum Wiederaufleben der verwandtschaftlichen Kontakte. Die Hauptrolle spielten dabei Kommissar Zufall und ein in Zeitungspapier eingewickelter Salatkopf.
In dem abwechslungsreichen Land besuchten wir die Riesenmetropole São Paulo, das einmalig gelegene Rio de Janeiro, die beiden europäisch anmutenden Orte Curitiba und Florianopolis, die imposanten Wasserfälle am Iguaçu sowie die malerische alte Stadt Salvador in Bahia.
In der letzten Nacht flogen wir von São Paulo über Paris zurück nach Straßburg und gelangten am Nachmittag schließlich wieder wohlbehalten an unseren Wohnort Offenburg, das etwa zwanzig Kilometer hinter der französischen Grenze in der Oberrheinebene liegt.
Montag, 7. Mai 2001
Heute nehme ich einen Routinetermin bei meinem Urologen Dr. Lüdecke wahr. Den Arzt kenne ich jetzt seit achtzehn Jahren. Aus kosmetischen Gründen möchte ich mir ein kleines, schlaffes Hautsäckchen am Gesäß entfernen lassen. Es handelt sich dabei um ein harmloses Fibrom, ein weicher, hautfarbener Bindegewebsknoten, der stielartig verengt am Körper haftet. Mein Hausarzt ist wegen einer etwaigen Blutungsgefahr vor dem kleinen Eingriff zurückgeschreckt.
Außerdem will ich das Ergebnis einer routinemäßigen Blutuntersuchung abfragen, die vor gut vier Wochen stattgefunden hatte, zwei Tage vor unserer Brasilienreise.
Nachdem ich die Arzthelferin begrüßt habe, fragt sie mich, ob sich meine Telefonnummer geändert hätte oder ob es einen weiteren Peter Erhardt gäbe; sie habe mehrfach vergeblich versucht mich zu erreichen und im Telefonbuch mehrere Einträge mit meinem Namen gefunden.
Etwas irritiert frage ich nach dem Grund und denke sofort an die Blutuntersuchung.
"Wieso wollten Sie mich anrufen? Stimmt etwas nicht mit den Werten?" "Ein Blutwert passt nicht, genaueres kann Ihnen Dr. Lüdecke sagen", antwortet die Arzthelferin.
Bei den Blutwerten handelt es sich um zwei sogenannte Tumormarker, deren Anstieg mich mehrmals in den letzten beiden Jahrzehnten mitten aus dem Leben gerissen, aber mir dasselbe gleichzeitig gerettet hatte. Tumormarker sind im Blutserum feststellbare Substanzen. Ihr Nachweis lässt einen Rückschluss auf einen bestehenden bösartigen Tumor zu.
Ausgangspunkt meiner Krebserkrankung war ein Hodentumor im Jahre 1983. Bei allen jährlichen Verlaufskontrollen in den letzten zehn Jahren lagen meine Werte jeweils im Normalbereich. Insofern ist die jetzige Kontrolle für mich nach so langer Zeit reine Routine und beunruhigt mich nicht. Wer weiß, ob ich überhaupt noch einmal zur Kontrolluntersuchung gegangen wäre, wenn sich da nicht dieses Hautsäckchen entwickelt hätte, das Dr. Lüdecke aber erst nach meinem Urlaub entfernen wollte. Nun warte ich auf diesen kleinen chirurgischen Eingriff.
"Ihre Haare werden auch immer silbriger", sagte die zweite Arzthelferin als sie mich vor dem Behandlungsraum sitzen sieht und nickt mir zu. Nun, meine früh ergrauten Haare sind ein Erbstück meiner Mutter, schon mit Anfang zwanzig hatte ich einzelne graue Haare entdeckt.
"Wenn das so weiter geht, sind die Haare bald weiß", antworte ich und spiele damit auf den mir Sorgen bereitenden erhöhten Wert an. Der Blutwert, der nicht stimmt und bei dem es sich nur um einen der Tumormarker handeln kann, geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Zur Ablenkung fällt mir zum Stichwort 'silbrige Haare' der brasilianische Student ein, der zu mir sagte ich sähe aus wie Rudi Völler. Allerdings fehlen mir die Locken des Fußball-Bundestrainers.
Dr. Lüdecke ruft mich in einen seiner Behandlungsräume und bestätigt ohne Umschweife den erhöhten Tumormarker-Wert. Es handelt sich dabei um das sogenannte AFP (Alpha-Fetoprotein). Der andere Marker, das Beta-HCG ist in Ordnung. Beide sind von einem Tumor selbst produzierte Substanzen. AFP ist ein Protein, das im Blutstrom bei vielen Hodenkrebspatienten mit einer bestimmten Tumorart gefunden wird. Deshalb der Name Tumormarker. Der Wert steigt an, wenn der Krebs wächst. Wenn der Krebs operiert oder anderweitig behandelt wird, kann ein Bluttest den Erfolg der Behandlung durch sinkende, oder das Fortschreiten der Krankheit durch steigende Werte anzeigen. Diese Verlaufskontrollen im Rahmen der Nachsorge sind bei vielen Krebsarten möglich. Der AFP-Marker hat eine Halbwertszeit von fünf bis sieben Tagen, was bedeutet, dass der Wert jede Woche um mindestens die Hälfe fallen müsste, wenn der gesamte Tumor entfernt worden ist.
Der Arzt nimmt eine Ultraschall-Untersuchung vor und stutzt einen Moment, als er die Sonde einige Zentimeter oberhalb des Nabels über meinen Bauch führt. Ein Ultraschallkopf sendet kurze Schallimpulse in den Körper und empfängt die je nach Gewebestruktur unterschiedlich reflektierten Echoimpulse. Aus diesen Impulsen wird das Bild berechnet und auf einer Bildröhre dargestellt.
Die Untersuchung hat für den Patienten keine unerwünschten Nebenwirkungen. Noch einmal überprüft Dr. Lüdecke die Stelle und findet einen vier bis fünf Zentimeter großen Knoten im hinteren Bauchraum. Ich spüre förmlich, wie sich seine Gesichtszüge verhärten.
"Sie haben ein Rezidiv", teilt er mir mit.
Hier gibt's noch mehr ...
Download der ersten 20 Seiten des ca. 200-seitigen Manuskriptes (nicht lektoriert/korrigiert)

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